SEPTEMBER 2014
"Gesegnet, die auf Erden Frieden stiften!"
(William Shakespeare)
(William Shakespeare)
01. - 30. 09. 2014
Der September geht richtig turbulent los. Jeden Tag volles Haus und ich so was von im Mittelpunkt

Zum Frühstück am Dienstag leistet uns Melanie Gesellschaft, wodurch die wortkarge Runde mit den Männern zu meiner Freude recht heiter wird. Für 14 Uhr haben sich der Pressefotograf und eine Mitarbeiterin der Sächsischen Zeitung angemeldet. Im Zusammenhang mit der Ice Bucket Challenge ist mit mir und über mich ein Artikel geplant. Ganze 2,5 Stunden nimmt sich Gesine Sch. für mich bzw. uns Zeit. Als sie mir am nächsten Tag den ihren Urtext zur Kenntnisnahme schickt, bin ich richtig überrascht, was aus 150 Minuten hin und her Gerede für ein gelungener Artikel entstanden ist. Unter der Überschrift "Bewegend anders" wurde dieser am 4.9. auf der Zittauer Lokalseite veröffentlicht. Abends war ich dann doch ganz schön knülle, aber auch etwas stolz, selbst einen kleinen Beitrag zur besseren Bekanntmachung der ALS geleistet zu haben.
Mittwochvormittag sorgt wie jede Woche Friedericke für Glanz im ganzen Haus, wofür wir ihr sehr dankbar sind. Ilona und Bernd besuchen uns am Nachmittag und wir haben, da sie längere Zeit nicht da waren reichlich Gesprächsstoff.
Beatrice, eine ehemalige Pflegekraft sitzt am Donnerstag mit am Frühstückstisch, worüber wir uns sehr freuen. Es ist schön zu wissen, wenn auch trotz Arbeitswechsel die Verbundenheit weiter Bestand hat.
Am Wochenende empfinde ich auch mal angenehm ohne Besuche zumal ich von Donnerstag bis Sonntag täglich vormittags im Garten war und mich jedes Mal von neuem amüsiere, welche Gebaren und Freudentöne Fine zum Ausdruck bringt, wenn ich in den Rollstuhl gesetzt werde. Das ist so niedlich und hindert teilweise die Pfleger mich umzusetzen, indem sie sich quer über mich legt oder als Erste im Rollstuhl Platz nimmt...
Neue Woche - neues Glück? Wohl eher nicht! Wolfgangs eigentlich "gesundes" Auge macht ihm große Probleme, er sieht verschleiert, ist extrem lichtempfindlich und verständlicher Weise total am Boden, zumal das andere Auge trotz Glaukom-OP vor 2 Jahren fast blind ist. Eine sofortige Vorstellung bei der Augenärztin bleibt ohne Ergebnis, sie überweist ihn zur Augenklinik nach Bautzen, wo er damals operiert wurde. Nun wartet er auf einen Vorstellungstermin. Die ganze Sache belastet uns beide sehr!!! Die neue Pflegekraft ist ein Schuss in den Ofen, nach 2 Einarbeitungstagen wirft sie das Handtuch. Für uns alle die willkommenste Lösung!
Eine schöne sonntägliche Frühstücksrunde "erleuchtet" den novembermäßigen Tag. Meine Freundin Gundel mit ihrem Mann ist gekommen, denn es gibt einen Grund mit Kaffee "anzustoßen". Am 1.9.1959 zum Schuleintritt haben wir uns kennen gelernt und sind seit diesem Zeitpunkt befreundet, also ganze 55 Jahre

Die Augenklinik in Bautzen lässt auf einen Termin warten... Deshalb holt sich Wolfgang eine 2. Meinung bei einem Zittauer Augenarzt ein. Das Ergebnis ist traurig aber war. Auch das "gesunde" Auge ist vom Glaukom betroffen und das bereits operierte hat nun auch noch Grauen Star (Linsentrübung). Er bekommt Tabletten zur Senkung des Augendrucks und stellt sich zu Wochenbeginn wieder bei der Augenärztin vor. Da noch immer kein Termin von Bautzen gekommen ist, überweist ihn die Ärztin in die Augenklinik der Uniklinik Dresden, wo eine direkte Glaukomsprechstunde vorgehalten wird. Und just in dem Moment ruft Bautzen bei mir an und teilt mit, dass er 2 Tage später einen Vorstellungstermin in Bautzen habe. Nun ist guter Rat teuer, denn Wolfgang sitzt in den Startlöchern, um das 1. Mal nach Mainz zur Premiere zu fahren (Fahrkarte und Hotel sind gebucht und Vater und Sohn freuen sich auf 4 gemeinsame Tage, in denen auch noch Rüdigers Geburtstag liegt. Plan B tritt in Kraft: Wolfgang entscheidet sich für die Uniklinik und genießt schöne Tage am Rhein. Bevor er auf Reisen geht, besuchen uns Christel und Günther M., wie immer mit diversen Geschenken im Gepäck. Ein wunderschöner Strauß mit Gerbera ziert mein Fenster und wird von allen bewundert. Eine ganze Torte aus verschiedenen Stücken reicht über die Vesper hinaus, sodass meine Pflegekräfte egal ob im Früh-, Spät- oder Nachtdienst an dieser futtern müssen.

Halt, jetzt hätte ich euch doch fast meinen "Massenbesuch" unterschlagen. Bevor unser Klassentreffen (Abi-Jahr 1971) los ging, besuchten mich 6 ehemalige Klassenkameradinnen, falsch 5 und ein Klassenkamerad. War das schön und gediegen. fünf von ihnen saßen neben mir auf Wolfgangs ehemaligen Bett, so wie die Hühner auf der Stange! Dem lautstarken Gerede war meine Computerstimme nicht gewachsen, sodass Martina, die mir am nächsten saß und den vollen Blick auf meinen Bildschirm hatte, meine Fragen und Kommentare durch's Zimmer posaunte.